Die Rolle der Familie

Die Rolle der Familie

Die Rolle der Großeltern und Familie wird heutzutage häufig völlig unterschätzt. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass die früher übliche Wohnsituation, mit mehreren Generationen unter einem Dach, heute nicht mehr, oder nur noch sehr wenig, gelebt wird.

Doch gerade dann, wenn sich etwas im Familienleben nicht wie erhofft entwickelt, ist die Familie umso wichtiger. Warum das so ist, möchte ich dir in diesem Beitrag erklären.

Familie

Die Rolle der Familie ist wichtiger, als viele Menschen denken

Solange wir „nur“ unseren Sohn hatten, sind wir super zurechtgekommen. Wir hatten Babysitter, die sich regelmäßig unser erbarmt und auf unseren Sohn aufgepasst haben.

Daher hat uns die Entfernung zur Familie nicht gestört. Ca. 600km haben uns von den Großeltern getrennt. Wir sind 2-3mal im Jahr dorthin gefahren, um sie zu besuchen. Ansonsten haben wir unsere Freiheit genossen.

Als sich dann unsere Zwillinge angekündigt haben, sah das schon wieder ganz anders aus. Wir haben beschlossen, in die Nähe der Großeltern zu ziehen, um etwas mehr Unterstützung zu bekommen. Wie wichtig diese Unterstützung noch werden sollte, war uns zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht klar.

Johanna war von Geburt an sehr zart. Sie hatte mit ihren 48cm gerade einmal 2285g – 1050g weniger, als ihre Zwillingsschwester. Zuerst durfte ich sie noch ganz normal mit aufs Zimmer nehmen, doch 22 Stunden nach der Entbindung war Schluss: Johanna hat nichts, wirklich gar nichts, getrunken. Sie hat jegliche Form von Nahrung verweigert. Keine Muttermilch, keine Flaschenmilch, kein Wasser. Also ging´s auf die Neugeborenen-Intensivstation. Und das war erst der Anfang…

 

Und dann ändert sich plötzlich alles…

Wenn du ein Kind hast, das aus irgendeinem Grund einen besonderen Betreuungsbedarf hat, dann verändert sich unheimlich viel in deinem Leben. Mit einem Baby bist du zwar immer eingeschränkt und Zwillinge fordern ihre Eltern generell extrem, aber Kinder mit Einschränkungen kosten noch einmal deutlich mehr Kraft.

Johanna hat fast 1,5 Jahre lang so gut wie nichts getrunken oder gar gegessen. Wir haben ihr zeitweise mit der Pipette die Milch eingeflößt. Nach maximal 30ml war Schluss. Und für die hat sie bis zu 1,5 Stunden gebraucht. Das ich irgendwann am Ende jeglicher Kräfte war, versteht sich vermutlich von selbst.

Die Familie war uns in dieser Zeit eine sehr wertvolle Stütze. Auch, wenn wir die Mädels kaum abgeben konnten, weil Johanna zusätzlich eine Bindungsstörung hatte, hat uns unsere Familie genau die Kraft gegeben, die wir als Eltern nicht mehr hatten. Als Johanna dann stationär zur Abklärung in die Klinik musste, waren es die Großeltern, die uns unterstützt und sich zeitweise um den großen Bruder gekümmert haben.

 

Großeltern sind nicht nur zum Babysitten da

Unsere Kinder lieben ihre Großeltern. Das tun Kinder normalerweise generell. Und das ist auch gut so. Denn die Großeltern haben eine sehr wichtige Rolle im Leben ihrer Enkel. Sie helfen nicht nur bei der Betreuung, sondern geben den Kindern viele wichtige Dinge fürs Leben mit. Die Kinder lernen zum Beispiel, dass das Alter nichts ist, wovor man Angst haben muss. Sie lernen, dass eine gegenseitige Unterstützung nötig ist, wenn das Familienleben funktionieren soll. Kinder erleben mit den Großeltern viele Dinge, für die im Alltag der Familie oft keine Zeit bleibt.

Mir geben meine Eltern und Schwiegereltern die Möglichkeit, reden zu können. Sie helfen uns dabei, mit dem pupertierenden Sohn geduldig zu bleiben, wenn sie uns davon berichten, wie viel Geduld sie mit uns aufbringen mussten. Häufig greifen die Großeltern auch mal finanziell unter die Arme, wenn es eng wird (und das wird es bei Familien mit behinderten Kindern fast immer irgendwann) oder packen ganz praktisch mit an. Die gute Suppe von der Oma hilft nicht deshalb beim Gesundwerden, weil sie so lecker schmeckt. Sie hilft, weil sie von der Oma ist. Weil Oma sich extra hingestellt hat, um für das gerade kranke Kind etwas zu kochen. Diese Suppe hilft, weil ein Kind die Liebe darin erkennt, die ihm entgegengebracht wird. Diese Oma-Liebe ist durch nichts und niemanden ersetzbar. Denn die Großeltern sind nun einmal ganz besondere Menschen im Leben eines Kindes.

 

 

Die Familie – eine emotionale Unterstützung die nicht unterschätzt werden darf

In den ersten Monaten nach der Geburt erschien uns Johanna ganz normal. Nur eben sehr zart und das Füttern hat uns Sorgen gemacht, weil sie immer so wenig getrunken hat.

Bei der U4 wurde dann allerdings die erste unerwartete Diagnose eingetragen: Mikrozephalie. Eine Freundin, Frau eines Arztes, hat mich damals erst noch beruhigt. Denn Mikrozephalie bedeutet nur, dass das Kind einen kleinen Kopf hat. Ausschlaggebend ist, ob sich durch den kleinen Kopf das Gehirn eventuell nicht richtig entwickeln kann und was die Ursache für die Mikro ist. Doch fertig waren wir nach dieser Diagnose schon erst einmal. Das muss man ja auch irgendwie verdauen, dass das Kind vielleicht etwas haben könnte, was vorher nicht gesehen war.

Als Johanna dann ab der U5 nach und nach immer auffälliger wurde, war gerade die Familie der Teil unseres Lebens, der uns Halt gegeben hat. Menschen, die sich Sorgen gemacht und alles Erdenkliche getan haben, um uns irgendwie zu unterstützen. Sicher war nicht immer alles auch hilfreich, aber hier zählt dann einfach der gute Wille. Die Tatsache, dass Menschen versuchen, zu helfen.

Viele Menschen unterschätzen gerade diese enorm wichtige Unterstützung. Hierbei geht es nicht nur um praktische Hilfe. Es geht auch um die emotionale Unterstützung. Darum, dass Eltern jeden Tag aufs Neue spüren dürfen, dass sie nicht allein sind.

 

Und was ist, wenn man keine Familie (mehr) hat?

Nicht jeder hat noch eine Familie. Manchmal, weil tatsächlich niemand mehr da ist, manchmal ist es aber auch auf Grund der Entfernung. Oder weil man sich verstritten hat etc. Es gibt viele Gründe, die dazu führen, dass Eltern ohne Hilfe und Unterstützung von Familie dastehen und damit zurechtkommen müssen.

Für diesen Fall empfehle ich, sich unbedingt einen stabilen Freundeskreis aufzubauen, wenn dieser nicht ohnehin schon da ist, und Unterstützung durch verschiedene Fachdienste in Anspruch zu nehmen.

Ob das jetzt jemand ist, der eine Verhinderungspflege übernimmt, die Lebenshilfe oder vielleicht die nette Nachbarin – es findet sich fast immer jemand, der einen unterstützen kann.

Und manchmal ist es ein Blog, eine Facebookgruppe oder das Elterncafe, in dem sich Gleichgesinnte treffen und gegenseitig unterstützen.

PerfektBehindert

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